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Zwischenbericht zur Forschung im Kindergarten Nezabudka 1 zu russischer Integration und kollektiver Identitätsbildung

Mein Ziel ist es bei dieser anthropologischen Feldforschung die verschiedenen Prozesse, die zu Integration und zur Bildung kollektiver russischer Identität führen, im Kindergarten und darüber hinaus, aufzuzeigen und nachzuvollziehen. Der Kindergarten Nezabudka 1 erschien mir hierfür besonders geeignet, da hier die Interessen und Ansichten mehrerer Gruppen und Akteure interagieren und aufeinandertreffen. In diesem Spannungsfeld konnte ich bisher durch meine Tätigkeiten im alltäglichen Ablauf die einzelnen Facetten und Vorstellungen, die am Ende das Gesamtbild von Identität erzeugen, sehr gut beobachten.

Meine Ergebnisse lassen sich zum jetzigen Stand in vier Kategorien einteilen, die dauerhaft im Umfeld des Kindergartens zwischen den einzelnen Akteuren verhandelt werden und aus denen schlussendlich die Gruppenidentität und damit auch ein Aspekt von Integration hervorgeht.

Zum Einen, der Umgang sowohl mit der russischen, als auch mit der deutschen Sprache und eben jener Vermittlung. Diese Vermittlung beider Sprachen in Wechselwirkung und durch die Allgegenwärtigkeit aufgrund der Mehrsprachigkeit, nicht nur der Erwachsenen sondern auch der Kinder, ist eine wichtige Facette bei der Bildung von Identität. Zurückzuführen ist dies auf das Immersionskonzept und die individuelle und situationsbedinge Anwendung der Erzieher.

Zum Anderen, das Essen, bei dem den Kindern verschiedene typische Gerichte nähergebracht werden. Die Inklusion deutscher und russischer Speisen im wöchentlichen Menüplan, die stellvertretend für die jeweilige Kultur stehen, ist ein weiterer aufschlussreicher Aspekt bei der Betrachtung von Identität.

Darüber hinaus sehr interessant, sind die zahlreichen Angebote und Veranstaltungen im Kindergarten und darüber hinaus, wie das musizieren, vorlesen oder die Vogelhochzeit und die kommende Masleniza-Woche. Bei diesen Gelegenheiten lassen sich Tradition und Wertevorstellungen sowie die Bildung von Gemeinschaften beobachten. Aus der Organisation, der Weitergabe und den individuellen Erlebnissen und Erinnerungen, die daran geknüpft sind konstituiert sich ein weiterer Teil von Gruppenidentität.

Die vierte Kategorie schließlich, bezeichne ich als die „materielle Kultur“ im Kindergarten. Mit diesem anthropologischen Begriff sind sowohl materielle als auch immaterielle Objekte gemeint, die Erinnerung, Werte, Traditionen, Kultur, Nostalgie und Symbolik verkörpern und transportieren. Diese Verkörperung und Transportation erfolgt meist individuell und kann von Person zu Person unterschiedlich aussehen. Beispiele für diese Objekte finden sich im Kindergarten unter anderem bei der Birke im Eingangsbereich oder bei dem Wandgemälde mit Samowar im Speisesaal.

Sascha Sareyko
Antropologiestudent