Diese Überschrift habe ich genauso ausgewählt, weil mir eines klar geworden ist, habe ich noch einmal die Gelegenheit, werde ich wieder reisen….nach Moskau, nach Riga, nach Helsinki….in die ganze Welt.

Schon zum dritten Mal, während meiner Jahre im Nezabudka- Kindergarten, wurde es mir ermöglicht, auf große Dienstreise zu gehen. Nicht selbstverständlich, wie ich meine.

Von den 4 Nezabudka- Kindergärten reisten diesmal alle 4 Leitungen und die Geschäftsleitung in Person von Frau Julia Zabudkin.

Wahrscheinlich war mein Team von Nezabudka 1 froh, dass es für mich am 11.05.2014 nun endlich los ging und nicht ständig alle Gespräche, ob dienstlich oder privat nur noch mit Moskau und meiner Vorfreude zu tun hatten. In meiner Abwesenheit (12.5.-16.5.14) lief alles weiter wie immer, dafür herzlichen Dank an meine verlässliche Stellvertretung Frau Alexandra Nikiforov und mein einsatzbereites Team.

Auf dem Hin- und Rückflug begleitete uns die Fluggesellschaft der AEROFLOT. Unsere Stewardess Nelly auf dem Hinflug war jung und resolut, musste allerdings die Sicherheitsvorkehrungen bei Antritt des Fluges deutsch vom Blatt ablesen….dadurch war die deutsche Sprachmelodie etwas gewöhnungsbedürftig. Mir wurde klar, der mir zur Verfügung stehende geringe Wortschatz meiner russischen Sprache gekoppelt mit russischer Grammatik, insofern ich diese anwenden müsste, wäre um einiges Schrecklicher für alle beteiligten Zuhörer. – Bis auf gebräuchliche Redewendungen, verzichtete ich also auf den Einsatz der russischen Sprache( übrigens als Einzige der Mitreisenden).

Mit dem Taxi sind wir am Montag durch das morgendliche Moskau zu unserem Hotel gebracht worden. Der Taxifahrer ist vom Lehrer zum Millionär, zum Schuldner und nun zum Taxifahrer geworden, war aber sehr umgänglich und nett. Unser Hotel hat sich innerhalb eines Freilichtmuseums befunden und zum Hineinfahren wurde eine „ Einfahrtgenehmigung“ gebraucht, die man erst hätte beantragen müssen. Sein Vorschlag, hinein zu laufen, gefiel uns viel besser und so machten wir uns auf den Weg zu unserem Hotel….

Wir konnten im Hotel schon unsere Zimmer beziehen und sollten jetzt eigentlich mit unserem Reiseleiter telefonischen Kontakt aufnehmen, was uns wirklich finanziell (Handykosten)überforderte.

Etwas erschöpft, hungrig und kaffeedurstig trafen wir uns nun an der nächsten Metrostation mit unserem Reisebegleiter, der sowohl deutsch als auch russisch sprach und wie ich während der Woche in Moskau feststellen konnte, von allen russischen Kindergartenleitungen , einschließlich der Damen vom russischen Stadtschulamt, ja man kann sagen“ vergöttert“ wurde- Herr Thomas Henschel.

Täglich standen die Besuche mehrerer Kindergärten und auch Schulen auf dem Programm, beide Institutionen arbeiten in letzter Zeit eng zusammen, ein Werksverkauf von Spielsachen, ein Besuch im Entwicklungsinstitut und abschließend im Stadtschulamt gehörten zur Pflicht.

Zur Kür gehörten eine Ballettpremiere im Bolschoi-Theater, eine Schifffahrt auf der Moskwa- die wir mit anderen Erwartungen begonnen hatten, die aber trotzdem einzigartig war und das Einkaufen der Mitbringsel für unsere Kindergärten. Zwischenzeitlich hieß es immer wieder Euro in Rubel zu tauschen….

Beeindruckt war ich von:

den Metrostationen, den Rolltreppen, die tief in die Erde hinunter fahren, das Einsteigeritual in der morgendlichen und abendlichen Hauptbetriebszeit- solange schieben, bis der letzte Mann/Frau in der Metro ist, der Propaganda zum „Tag des Sieges am 9. Mai“, der ungeheuerlichen Gastfreundschaft in den Kindergärten, einer deutschsprachigen Kindergartenleitung, den Stolz der Lehrer und Erzieher auf die Ausstattung ihren Einrichtungen, den vielen Diplomen an den Kindergartenwänden, der künstlerischen Ausgestaltung der Flure, der Fähigkeit aller Kollegen im Umgang mit der Technik, 3-5 spurige Straßen, die man niemals einfach so überqueren durfte, weil es verboten war…, dem Satz: „ …weil ich meinen Kindergarten liebe.“, der Betreuung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen im Kindergarten, männlichen Erziehern, einem Defektologen, den es in jedem Kindergarten gab, dem Anbau von Gemüse im Kindergarten, dem Frühstück im Hotel( Kascha, Omelett und Blini`s zur Auswahl- unser Bedarf an Ei ist für einige Wochen somit abgedeckt und dem Urvertrauen in die Menschen….um nur Einiges zu nennen.

Natürlich bin ich mit bestimmten Erwartungen nach Moskau gefahren. Ich konnte im Vorfeld nicht glauben, dass ich auch nur ein behindertes Kind im Gruppenalltag sehen würde oder Männer in der Arbeit mit den Kindern, Montessori-material, Werkbänke, Snuzzelräume, Arbeit nach den päd. Ideen von Janusz Korczak, Porzellangeschirr für die Kinder, Schlafmatten-alles das konnte ich sehen.

Das A und O ist die Förderung aller Kinder in allen Entwicklungsbereichen im gleichen Maß. Man ist unglaublich an den Stärken orientiert. Das hat sich nicht geändert. Aber hat man früher mit der großen Gruppe frontal gearbeitet, gibt es nun mehr Kleingruppenarbeit, die UNO-Kinderrechte sind präsent und die Elternarbeit hat im Kindergartenbereich Einzug gehalten. Natürlich noch nicht nach deutschen Maßstäben.

Die Menschen wachsen in ihrem Umfeld auf und ich hatte nicht den Eindruck, dass jemand unglücklich ist. Und dann überlege ich, wie es mir früher ging und komme zu dem Schluss, dass auch ich an meine Kindheit so viele gute Erinnerungen habe….

Diese Reise tat auch uns Leitungen gut, wir konnten uns aus einer anderen Perspektive und unter, für uns, nicht alltäglichen Umständen näher kennenlernen. Vieles hat sich für mich bestätigt und von einigen zwischenmenschlichen Erfahrungen war ich überrascht.

Vielen Dank an die Organisatoren dieser Reise und ….auf ein neues Abenteuer.

Herzlichst Katrin Frank

( Kita-Leitung Nezabudka1)