Auch wer nicht an Gott glaubt, braucht an Weihnachten das sprichwörtliche Kind nicht gleich mit dem Bade (oder der Krippe) auszuschütten. Streift man den religiösen Überbau und die kirchlichen Zeremonien ab, bleibt immer noch ein recht wertvoller Kern übrig. Und der ist viel älter als das christliche Weihnachten: Die Feier der Winter-Sonnenwende. Dieses Fest wurde erst im frühen Mittelalter durch das christliche Weihnachtsfest abgelöst. Die Sonnenwende findet in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember statt und markiert den kürzesten Tag des Jahres. Ab dann werden die Tage wieder länger, das Licht kommt also sprichwörtlich zurück in die Welt. Für die Seele ist das Licht ein Urzeichen der Hoffnung. Es steht für die Rückkehr des Lebens und der Wärme in die Dunkelheit und so gehören Lichter und Kerzen zu Weihnachten einfach dazu.

Die Weihnachtszeit eignet sich auch dazu, den Kindern etwas über die Religionen anderer Völker zu erzählen und zu fragen, welche Vorstellungen dem eigenen Kind besonders gefallen. Manche Feste anderer Kulturen fallen zeitlich in die Weihnachtszeit, so dass sich Vergleiche von selbst ergeben (jüdisches Lichterfest Chanukkah, chinesisches Neujahrsfest, russisches Neujahrsfest).

Warum wird in Russland und einigen anderen ehemaligen Sowjetrepubliken Weihnachten erst nach dem Neujahrsfest gefeiert?

Nicht immer wurde Weihnachten in Russland nach Silvester gefeiert. Mit der Revolution von 1917 wurde das christliche Weihnachtsfest abgeschafft und bestimmte Bräuche und Symbole wurden einfach zum Neujahresfest übernommen. Obwohl Weihnachten (nach dem julianischen Kalender der 7. Januar) seit 1991 wieder offizieller Feiertag ist, ist das Neujahrsfest bis heute das größere Ereignis geblieben. Traditionell gehört ein „Jolka“ Fest zu dem Höhepunkt des Jahres, zu dem Ded Moroz und Snegurotschka Geschichten und Geschenke mitbringen.

Wir haben über die beiden Feiertage und deren Bedeutung für die Kinder mit den Kollegen aus den Nezabudka Einrichtungen gesprochen.

  • Wie werden beide Feste bei Nezabudka gefeiert?
  • Was ist Ihnen besonders wichtig den Kindern in dieser Zeit zu vermitteln?
  • Wie feiert man mit Kindern Weihnachten, wenn man keiner Konfession angehört?

„Weihnachten und Neujahrsfest in der Nezabudka.

Eigentlich konnte ich mir nie vorstellen, dass es Menschen gibt, die anders Weihnachten feiern – ausgeschlossen!

Wunderbare Erinnerungen…dazu gehören: der Adventskalender- oft auch selbst gebastelt und gefüllt, das Plätzchenbacken mit der Mama in der viel zu engen Küche, das Wunschzettelschreiben, der Nikolaustag….manchmal war auch mal eine Rute im Stiefel als Zeichen, das es in der letzten Zeit nicht so gut lief, das Basteln und Verstecken der kleinen Geschenke für die Familienangehörigen, der Besuch des Weihnachtsmarktes, Musik, die man nur zu Weihnachten hörte, die weihnachtlich geschmückte Wohnung, der Duft des Räuchermännchens, das immer wieder Stehenbleiben der Pyramidenflügel, der Weihnachtsschinken, Mandarinen und Orangen, der Vater, der im Keller etwas gewerkelt hat, von dem wir nicht wussten, was es ist, der echte Tannenbaum, der jedes Jahr der schönste war…. und das Warten, dass endlich die Zeit bis zum Heiligen Abend- bis zur Bescherung, schnell vergeht. Es war immer wieder eine unheimlich heimliche Zeit. Ich habe es als Kind geliebt und war verzaubert; fast so, wie in einer anderen Welt. In keiner Zeit des Jahres gab es in meiner Familie so feste und immer wiederkehrende Rituale wie in der Weihnachtszeit.

Umso schöner ist es jedes Jahr mitzuerleben, dass in unserem Kindergarten das russische Neujahrsfest zu den wichtigsten Festen im Jahreskreis gehört. Ich konnte nicht wissen, dass zum russischen Neujahrsfest die Kinder in lustigen Kostümen und die Eltern in festlicher Garderobe kommen, dass die Stimmung lustig und ausgelassen ist und es reichlich zu essen und trinken gibt. Eine Geschichte mit Väterchen Frost und seiner Enkelin und Spielrunden warten auf die Kinder und natürlich Geschenke. Jetzt weiß ich es und freue mich jedes Jahr wieder auf die neue Geschichte und die besonders schönen russischen Lieder.

Wir glauben oft, viel zu verschieden zu sein, deutsch und russisch eben, aber am Ende merke ich immer wieder, dass wir, wenn es um eine bestimmte Sache geht, gleich emotional empfinden oder auch betroffen sind. Ich finde wichtig, dass wir authentisch bleiben und unseren Kindern auch genau das vermitteln, egal ob deutsch oder russisch, mit oder ohne Konfession, kindgerecht, nacherlebbar, ehrlich, ansprechend und auf unseren positiven eigenen Erfahrungen beruhend.
In den Dezemberwochen ist bei uns die sogenannte „angebotsfreie Zeit“ im Kindergarten, d.h. wir nehmen uns die Zeit, Weihnachten und das russische Neujahrsfest vorzubereiten und zu feiern, denn das ist unsere Besonderheit – uns gibt es nur im Doppelpack.

Komisch ist, dass in den fast sieben Jahren, in denen ich in Nezabudka tätig bin, noch kein Kind, ob deutsch oder russisch, nachgefragt hat, warum wir beides feiern – es ist so wie es ist:
Wir feiern WEIHNACHTEN und das russische NEUJAHRSFEST!!! …und das ist gut so.“

Eine besinnliche Weihnachtszeit wünscht allen Katrin Frank, Erzieherin und Leiterin in der Nezabudka 1.

Zwei Feste und ganz viele Gemeinsamkeit. Einheit in der Vielfalt, in der Vorfreude und in dem Glaube an Wunder.
Nezabudka verbindet auf eine wundersame Art und Weise die Bedeutung beider Anlässe für Kinder und Erwachsene und trägt somit zum Kulturverständnis bei.
Unsere Feiern finden statt:

  • Nezabudka 1 – 10.12.2013
  • Nezabudka 2 – 13.12.2013
  • Nezabudka 3 – 11.12.2013
  • Nezabudka 4 – 19.12.2013