Laufen für die Sprachvielfalt

Von Klaus Späne

Bilinguale Kindertageseinrichtungen organisieren erstmals volkstümliche Sportveranstaltung im Niddapark

Mehrsprachigkeit ist in einer internationalen Metropole wie Frankfurt gang und gebe. Diesen Sonntag will man erstmals mit einem Volkslauf für die polyglotte Kultur und deren Einrichtungen die Werbetrommel rühren. Aber auch sportlich ist einiges geboten.

Ginnheim.

Läufer sind in der Regel Menschen, die beim Sport eher die Beine als den Mund sprechen lassen. Dennoch spielt diesen Sonntag bei einer Laufveranstaltung die Sprache eine Hauptrolle. Verständlich bei dem Motto: „Mehrsprachig läuft es besser“ lautet es und ist das Leitmotiv eines Volkslaufs, der in Frankfurt Premiere feiert. Auf Initiative mehrere bilingualer Kindertageseinrichtungen gehen Erwachsene und Kinder an den Start, um im Niddapark Laufstrecken von 200 Metern bis 10 Kilometern zu bewältigen (siehe Info). Das Ganze ist vom Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) genehmigt und wurde von der AOK in deren Laufserie aufgenommen.

Laufen verbindet

Die Initialzündung für den ersten Volkslauf für Mehrsprachigkeit stammt von Julia Zabudkin, Gründerin und pädagogische Geschäftsführerin von Nezabudka, dem ersten deutsch-russischen Kindergarten in Frankfurt. Dieser besteht mittlerweile aus vier Einrichtungen. Die ursprünglich aus Kiew stammende Zabudkin ist selbst Hobby-Sportlerin, die bereits an vielen Laufveranstaltungen teilgenommen hat. Gleichzeitig hat sie drei kleine Kinder, die sie zweisprachig erzieht.

Die Idee, einen Lauf ins Leben zu rufen, der das Thema Mehrsprachigkeit im Alltag und in der Erziehung in den Vordergrund stellt, kam ihr nach einer Laufveranstaltung, die einem anderen guten Zweck gewidmet wurde. „Denn Laufen verbindet Menschen und bildet somit eine wunderbare Plattform für die Realisierung gemeinnütziger Projekte“, glaubt Zabudkin.

Mit ihrer Idee konnte die Läuferin andere bilinguale Einrichtungen begeistern. So auch die Leiterin des deutsch-spanischen Kindergartens 2SonMás, Justa Pizarro. Mitglied im Organisationsteam ist auch Zabudkins Ehemann Alexei, seines Zeichens selbst seit Jahren ein begeisterter Amateurläufer, der unter anderem zusammen mit seiner Frau am diesjährigen Boston Marathon teilnahm (die FNP berichtete). Und schließlich konnte man Frankfurts Sportdezernent Markus Frank als Schirmherr gewinnen sowie Irina Mikitenko, Deutschlands erfolgreichste Langstreckenläuferin und Marathonrekordhalterin. Die Leichtathletin, die für Eintracht Frankfurt startet, fungiert als Botschafterin für den Lauf.

Aber zurück zur Zielsetzung des Events. Es gehe nicht nur darum, den Fokus auf die Mehrsprachigkeit zu legen und miteinander ins Gespräch zu kommen, sagt Alexej Zabudkin. Auch das Sportliche soll nicht vernachlässigt werden. Um ambitionierten Hobbysportler einen Anreiz zu bieten, werde eine Zeitmessanlage verwendet. Ansonsten überwiege aber der Freizeitzeitaspekt. „Jede Geschwindigkeit ist willkommen, es soll schließlich ein Familienfest werden“, erklärt Zabudkin die Zielsetzung.

Angst wegen Boston

Das Konzept verspricht auch aufzugehen, wenn man sich die Anmeldezahlen betrachtet. Rund 450 Teilnehmer verzeichnen die Organisatoren bislang nach dem Ende der Online-Anmeldung. Darunter befinden sich Mädchen und Jungen von Kindergärten sowie deren Eltern oder auch Schulklassen. Bei all dem hatte man zunächst noch Befürchtungen, dass sich viele nach dem Attentat von Boston abschrecken ließen. Zumindest habe es solche Stimmen im Vorfeld gegeben, die meinten, Laufen sei lebensgefährlich. „Das bleibt noch länger im Hinterkopf“, sagt Zabudkin, der sich aber davon nicht in seinen Aktivitäten beschränken lässt. Er hofft jedenfalls, dass auch andere so denken und sich am Sonntag im Niddapark noch weitere Teilnehmer anmelden und so die 500-Grenze überschritten wird.

http://www.fnp.de/rhein-main/frankfurt/Laufen-fuer-die-Sprachvielfalt;art675,526301

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