Russisch im Kindergarten

Verein betreut den Nachwuchs in der neuen Kita zweisprachig

Morgen ziehen die ersten Kinder in die Kita Nezabudka ein, die der Verein Slowo betreibt. Er hat sich die Förderung russischer Sprache und Kultur für Kinder in Frankfurt auf die Fahnen geschrieben.

Sachsenhausen. «Der Wille ist stärker als der Unwille» zitiert Natalia Vukolova, Geschäftsführerin des Vereins Slowo, ein russisches Sprichwort, bei der Eröffnung der dritten deutsch-russischen Kindertagesstätte «Nezabudka» gestern in der Stresemannallee 30. Rund 60 Eltern fanden sich im Orangenhaus ein und zeigten ihren Sprösslingen, wo sie ab September ganztägig betreut werden. Bei Puppentheater, Bastel- und Spielangeboten kamen die Kleinen auf ihre Kosten, während sich die Eltern am Buffet entspannen konnten. Morgen ziehen die ersten Kinder ein.

Vorhang auf: Zur Eröffnung der neuen Kita hatten sich auch Kasperle und seine Freunde angesagt. Foto: Rüffer

650 Quadratmeter

Auf rund 650 Quadratmetern finden in der dritten bilingualen deutsch-russischen Kita elf Krippenkinder ab einem Jahr Platz, sowie 40 Kinderkartenkinder in zwei altersgemischten Gruppen. Neben den drei Gruppenräumen und den dazugehörigen Ruhezimmern gibt es einen gemeinsamen Kunstraum. Für die Mahlzeiten, die vom Caterer angeliefert werden, steht eine geräumige Küche zur Verfügung. Hier sorgt eine Fachkraft dreimal am Tag mit angelieferter Biokost für das leibliche Wohl. Damit das Toben und Spielen nicht zu kurz kommen, gibt es neben dem großen Spielplatz für Regentage noch einen großen Turn-Raum. Das zehnköpfige Erzieherinnen-Team besteht zur Hälfte aus deutschen und russischen Muttersprachlerinnen und ermöglicht so den Kindern das Sprachenlernen nach der Immersions-Methode: In Alltagssituationen tauchen die Kinder ohne Leistungsdruck in die Sprache ein und eignen sie sich spielerisch an. «Mit dem Erlernen von zwei Sprachen von Klein auf ermöglichen wir es den Kindern, sich weltoffen zu entwickeln und multikulturell in die Welt und ins Leben zu gehen», erklärt Gabriele Jansen, Leiterin der Einrichtung. Und betont, dass neben dem sprachlichen Aspekt auch andere pädagogische Schwerpunkte gesetzt werden: «Die Erziehung zur Selbständigkeit ist uns absolut wichtig. Deshalb haben wir uns beispielsweise im Ruheraum für die Krabbelkinder für Bettchen entschieden, die keine hohen Gitter haben, sondern so niedrig angesetzt sind, dass die Kleinen selber hinein gelangen können.» Doch auch musikalische Förderung sowie Bewegung und Sport sollen nicht zu kurz kommen. Alle 51 Plätze sind bereits vergeben. Damit es morgen nicht zum Massenansturm kommt, werden sie in kleinen Gruppen nach und nach über die nächsten drei Monate verteilt in der Stresemannallee einziehen.

Dritte Kita

«Träume werden wahr», resümiert Julia Zabukin, Initiatorin von Nezabudka und Leiterin der ersten Einrichtung in Sachsenhausen. «Die Idee eines deutsch-russischen Kindergartens hatte ich vor fünf Jahren. Vor drei Jahren eröffneten wir erstmals in Bockenheim, jetzt waren wir mit ,Zwillingen’ schwanger, denn erst vor 14 Tagen haben wir in Bockenheim die zweite Kita eröffnet und jetzt die dritte.» Der Name «Nezabudka» kommt nicht von ungefähr: Übersetzt bedeutet er Vergissmeinnicht und steht sowohl für die Erinnerung an die Kindheit als auch daran, dass die russische Wurzeln nicht in Vergessenheit geraten sollen. Rund 75 Prozent der Kinder kommen aus deutsch-russischen Elternhäusern. Die anderen 25 Prozent haben Eltern aus allen Herren Ländern. «Vielen ist es einfach wichtig, dass ihre Kinder zweisprachig aufwachsen», erklärt Natalia Vukulava, die den Trägerverein Slowo 2001 ins Leben gerufen hat «Im nächsten Schritt wollen wir das bilinguale Angebot auch in der Schule ermöglichen. Wir arbeiten bereits mit der Stadt und dem Land daran.

» sum

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