Deutsch-russischer Kindergarten setzt auf Expansion

Bockenheim. Vor zwei Jahren hat Julia Zabudkin in Bockenheim einen deutsch-russischen Kindergarten namens «Nezabudka» gegründet. Der Erfolg ist so groß, dass sie bald eine zweite Einrichtung für Kindergarten- und Krippenkinder ins Leben rufen wird. Die Stadt habe ihre Unterstützung schon zugesichert, derzeit sei sie auf der Suche nach geeigneten Räumen, sagt die «Nezabudka»-Leiterin.

«Auf unserer Warteliste stehen 250 Namen, wir haben bei weitem nicht genug Kapazitäten, um alle Anfragen berücksichtigen zu können», sagt Julia Zabudkin. Ein persönliches Anliegen hat sie auf die Idee gebracht, einen deutsch-russischen Kindergarten zu gründen: «Als ich nach Frankfurt kam, war es mir wichtig, dass meinen Kindern ihre russischen Wurzeln erhalten bleiben. Weil es keine Einrichtung gab, in der die russische Sprache und Kultur vermittelt wurden, beschloss ich, selbst aktiv zu werden.»

Die gelernte Erzieherin fand schnell Gleichgesinnte, und so konnte die Idee nach einer längeren Planungsphase vor zwei Jahren Wirklichkeit werden. Dass die Idee einer zweisprachigen Frühförderung so großen Erfolg haben würde, hat sich Julia Zabudkin anfangs nicht träumen lassen. Derzeit besuchen 40 Kinder die Einrichtung «Nezabudka». Der Schwerpunkt liegt auf dem Spielen, Lernen und der musikalischen Früherziehung. «Ich vergleiche das hier gern mit einer Familie, in der ein Elternteil aus Russland und der andere aus Deutschland kommt. Bei uns sprechen alle sieben Betreuer Deutsch, drei zusätzlich auch Russisch», sagt Frau Zabudkin.

Dass die Einrichtung expandieren muss, um der Nachfrage gerecht werden zu können, war schnell klar. Die Stadt spielte mit und sicherte die Finanzierung für zwei Kindergartengruppen mit 40 Mädchen und Jungen sowie für eine Krippengruppe mit elf Kindern zu. Einzig die Frage nach der Örtlichkeit der neuen Einrichtung sei noch nicht abschließend geklärt: «Wir verhandeln momentan mit vier Vermietern. Sobald wir irgendwo eine Zusage haben, kann der Ausbau zum Kindergarten beginnen. Die Pläne sind bereits ausgearbeitet», so die Erzieherin. Wichtig war Frau Zabudkin und Slowo, dem Trägerverein des Kindergartens, dass die Kosten für einen der Plätze so gering wie möglich sind. «Wir wollten keine private Einrichtung werden, für die sich so gut wie niemand einen Platz leisten kann.» Deshalb sei sie froh über die städtische Unterstützung, ohne die bereits der erste Kindergarten nicht möglich gewesen wäre.

Slowo blickt indes schon weiter in die Zukunft: Er würde sich über eine deutsch-russische Grundschule in Frankfurt freuen. «Es war von Anfang an ein Ziel unseres Vereins, die russische Kultur ins deutsche Bildungssystem zu bringen», sagt Natalia Vukolova, die Vorsitzende. Momentan sei diese Idee einer Schule in Form einer Samstagsschule nur teilweise realisiert. Doch schon bald solle die integrative Arbeit im Kindergarten in einer festen Institution für Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse weitergeführt werden. Momentan wird das Konzept vom Stadtschulamt geprüft, Slowo rechnet mit einer ersten Rückmeldung Anfang kommenden Jahres. göc

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